Springfinger (Schnappfinger oder Tendovaginitis stenosans)

Springfinger (Schnappfinger oder Tendovaginitis stenosans)
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Springfinger Inhaltsverzeichnis

  1. Welche Probleme sind mit Springfinger (Tendovaginitis stenosans) verbunden?
  2. Ursachen des schnellenden Fingers bei Sehnenscheidenentzündung der Finger
  3. Symptome der Tendovaginitis stenosans
  4. Ärztliche Untersuchung und Diagnose
  5. Konservative Therapie und Entzündungshemmung
  6. Operative Therapie: Ringbandspaltung
  7. Rehabilitation, Krankschreibung und Sportfähigkeit

Kurz-Info zur Operation der Tendovaginitis stenosans:

  • Klinikaufenthalt: ambulant
  • Operationsdauer: ca. 10 bis 15 Minuten
  • Narkoseart: örtliche Betäubung, Betäubung des Arms oder Vollnarkose
  • Nachbehandlung: sofortige eigenständige Bewegungsübungen, Schonung für ca. 2 bis 3 Wochen
  • Arbeitsunfähigkeit: ca. 1 bis 3 Wochen

Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans) ist die Blockade der Fingersehne durch Knötchenbildung. Die Knötchen können nur nach hohem Kraftaufwand über die festen, horizontal verlaufenden Ringbänder gleiten. Die Ringbänder "fesseln" die Fingersehnen in die Gelenke, so dass sie nicht bogensehnenartig herausstehen. Meistens ist das erste von 5 Ringbändern des Fingers (in der Grafik: A1) von der Tendovaginitis stenosans betroffen. Die Knötchenbildung wird also immer ausgelöst durch eine entzündliche Einengung der Sehnenscheiden der Fingerbeugesehnen. © anka friedrichs @ wikimedia

Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans) ist die Blockade der Fingersehne durch Knötchenbildung. Die Knötchen können nur nach hohem Kraftaufwand über die festen, horizontal verlaufenden Ringbänder gleiten. Die Ringbänder "fesseln" die Fingersehnen in die Gelenke, so dass sie nicht bogensehnenartig herausstehen. Meistens ist das erste von 5 Ringbändern des Fingers (in der Grafik: A1) von der Tendovaginitis stenosans betroffen. Die Knötchenbildung wird also immer ausgelöst durch eine entzündliche Einengung der Sehnenscheiden der Fingerbeugesehnen. © anka friedrichs @ wikimedia

Springfinger (Tendovaginitis stenosans) Zusammenfassung

Der Springfinger oder „Schnellende Finger“ (lat: Tendovaginitis stenosans) ist eine entzündungsbedingte Sehnengleitstörung der Finger. Der Springfinger – auch „schnellender Finger“ genannt – gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Hand bei über 50 Jährigen. Die Finger lassen sich dann nicht mehr beugen oder strecken: Knötchen der Sehnen blockieren an der Ringbändern. Die engen Ringbänder verlaufen horizontal: Sie fixieren die Fingersehnen in der Nähe der Gelenke. Durch eine ambulante handchirurgische Operation können die Ringbänder gespalten und geweitet werden, so dass die Blockade der Fingersehnen dauerhaft beendet ist.

Was ist ein Springfinger? Welche Probleme sind damit verbunden?

Bei manchen Patienten ist bei der Streckung der Finger aus der Hohlhand die Bewegung zunächst blockiert. Plötzlich springt dann der Finger aber nach vorne, sobald die Blockade gelöst ist. In dieser Situation liegt ein sogenannter Springfinger oder Schnappfinger (Tendovaginitis stenosans) vor. Die Erkrankung wird auch als Digitus saltans bezeichnet, (lat. für Springfinger). Die Beweglichkeit und Feinmotorik der Hände wird durch diese Erkrankung der Sehnenscheide deutlich eingeschränkt. Von der Tendovaginitis stenosans können sowohl die Finger, als auch der Daumen betroffen werden. Man spricht dann auch von einem “ springenden Daumen“. Am häufigsten sind der Ringfinger und der Daumen betroffen.

Stellenwert dieser Erkrankung für den Patienten

Bei allen alltäglichen Verrichtungen sind wir auf den mühelosen Gebrauch unserer Hände und Finger angewiesen sind. Das spüren wir erst, wenn es durch eine Erkrankung der Sehnen oder Gelenke der Finger zu deutlichen Einschränkungen kommt.

Der Springfinger oder der schnellende Finger beeinträchtigt alle Tätigkeiten, bei denen die Feinmotorik des Fingers zum Einsatz kommt.

Ursachen und Risikofaktoren der Tendovaginitis stenosans

  • Wiederholte Greifbewegungen mit hohem Kraftaufwand
  • Weibliches Geschlecht
  • Diabetes macht die Entstehung des Springfingers wahrscheinlicher (ähnlich wie beim Karpaltunnelsyndrom)
  • Eine vorangegangene Operation eines Karpaltunnelsyndroms
  • Fingerarthrose oder Rhizarthrose macht den Springfinger als Begleiterkrankung wahrscheinlicher

Ursache der Tendovaginitis stenosans ist eine Entzündung und Einengung der Sehnenscheide der Fingersehne. Tendovaginitis ist der medizinische Begriff für Sehnenscheidenentzündung. Die Entzündung entsteht durch über Jahre hinweg wiederholte monotone Bewegungsabläufe, die zu vielen kleinen Verletzungen und Überlastungen der Beugesehnen führen.

Was geschieht genau beim Springfinger?

Durch die Sehnenscheiden an den Fingern gleiten die Beugesehnen der Fingergelenke. Wenn die Sehnenscheiden sich verengen oder die Fingersehnen sich an bestimmten Stellen verdicken und Knötchen bilden, wird das Gleiten der Sehnen in den Sehnenscheiden behindert. Die Sehnen werden an den Fingergelenken durch horizontal verlaufende Ringbänder zusammengehalten. Wo immer ein Knötchen oder eine Verdickung der Beugesehne über eines dieser Ringbänder gleitet, kann es zu der für das Symptom des Springfingers typischen Blockade der Fingerstreckung kommen.

Wer ist vom Springfinger besonders betroffen?

Zu den Betroffenen gehören zum Beispiel Musiker oder auch Personen, die viel am Computer schreiben. Häufig sind Handwerker, die über Jahre und Jahrzehnte ihre Fingergelenke stark beansprucht haben, von dem Springfinger betroffen. Wie bei vielen anderen Erkrankungen der Hände und Finger auch sind Frauen deutlich häufiger vom Springfinger betroffen als Männer.

Symptomatik, Beschwerden

  • Steifheit der Fingergelenke
  • Druckschmerzhaftigkeit am Übergang von Handfläche zum betroffenen Finger
  • Knötchenbildung, häufig tastbar, an der Fingersehne des betroffenen Fingers
  • Blockade des Fingers: Großer Widerstand bei Bewegungen aus der Beugeposition

Dabei kann die Tendovaginitis stenosans in jedem Finger, einschließlich des Daumens auftreten. Die Beschwerden durch den Springfinger oder Schnappfinger sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass der betroffene Finger nur unter Kraftaufwand zu strecken ist. Wenn die FInger beim Strecken blockieren, sollten Sie auf jeden Fall einen Handspezialisten aufsuchen. Dabei verstärken sich die Reizungen und Schwellungen durch die zunehmende Sehnenverdickung und den wachsenden Widerstand der Ringbänder der Fingergelenke. Diese durch Springfinger ausgelösten ruckartigen Bewegungen sind häufig auch schmerzhaft.

Fachärztliche Untersuchung und Diagnose des Springfingers

  • Anamnese und Patientengespräch
  • Labor zur Abklärung von Entzündungen, Gicht, Rheuma und Diabetes
  • Klinische Tastuntersuchung (Palpation)
  • Ultraschalluntersuchung
  • Röntgen der Hand zur Darstellung von Fingerarthrose

Der Handchirurg kann die Diagnose Tendovaginitis stenosans häufig schon nach dem Patientengespräch sowie einer klinischen Untersuchung mit großer Sicherheit treffen. Die Knötchen der Beugesehnen lassen sich von einem erfahrenen Spezialisten häufig schon direkt ertasten. Um andere Ursachen, z.B. Arthrose oder Beschädigung der Fingergelenke auszuschließen, können zusätzlich Röntgenbilder angefertigt werden. Mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) können der Verlauf und der Zustand der Fingersehne und Ringbänder direkt untersucht werden.

Diese Fragen stellt der Arzt bei der Untersuchung des Sprinfingers

  • Welche Symptome haben Sie?
  • Wie lange leiden Sie schon unter Fingerschmerzen und Blockaden der Fingersehne?
  • Sind die Blockaden und Schmerzen der Finger beständig – oder kommt und geht das?
  • Was verbessert die Situation?
  • Was verschlechtert die Situation Ihrer Finger?
  • Sind Ihre Symptome zu einer bestimmten Tageszeit (z.B. am Morgen) schlimmer?
  • Was sind Ihre berufliche Umstände oder besonderen Belastungen in der Freizeit?
  • Hatten früher schon einmal Sie Unfälle, Operationen an Fingern oder Handgelenk oder schmerzhafte Erkrankungen der Hand?

Konservative Therapie, Stellenwert, Grenzen

  • Entzündungshemmung mit Nichtsteroidalen Antirheumatika mildert häufig nur die Fingerschmerzen
  • Ruhe und Entlastung
  • Hände und Unterarme zur Entzündungshemmung in totem Meersalz baden oder warme Basenwickel anwenden
  • Ruhigstellung mit Handschiene
  • Dehnungsübungen der Fingersehnen um die Mobilität zu erhalten.
  • Kortisoninjektion in die entzündete Sehnenscheide

Häufig können wir einen Springfinger konservativ behandeln. Bei der konservativen Therapie versuchen wir vor allem, Entzündungen der Sehne zu bekämpfen: Das ist besonders wirksam, wenn es darum geht, die noch nicht blockierten Finger vor der Entstehung der Tendovaginitis stenosans zu schützen.

Bei den betroffenen Fingern empfehlen wir häufig Schonung und Entlastung. Bei Sehnenscheidenentzündung der Finger begleiten wir diese Maßnahmen häufig mit entzündungshemmender Therapie durch Medikamente (z.B. nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen, Diclofenac).

In sehr schweren Fällen kann ein Arzt auch direkt Kortison in die Sehnenscheide an das betroffene Ringband spritzen: Das wirkt Entzündungen entgegen und schwillt die Sehnenscheiden ab. Die Wirkung der Kortisoninjektion bei Springfinger hält etwa ein Jahr an. Als Dauertherapie ist die Kortisonbehandlung wegen der Nebenwirkungen auf die benachbarten Gewebe aber nicht empfehlenswert.

Operative Therapie der Tendovaginitis stenosans (Springfinger): Ringbandspaltung

Die Ringbandspaltung wird immer als ambulante Operation durchgeführt. Die Spaltung des Ringbandes A1 führt langfristig zu einer Weitung des Raumes, der der Sehnenscheide der Fingersehne zur Verfügung steht. Die Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis stenosans )  kann sich nach der operativen Ringbandspaltung zurückbilden.  © anka friedrichs @ wikimedia

Die Ringbandspaltung wird immer als ambulante Operation durchgeführt. Die Spaltung des Ringbandes A1 führt langfristung zu einer Weitung des Raumes, der der Sehnenscheide der Fingersehne zur Verfügung steht. Die Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis stenosans ) kann sich nach der operativen Ringbandspaltung zurückbilden. © anka friedrichs @ wikimedia

Wenn die Symptome schon sehr stark sind oder einzelne Finger gar nicht mehr gestreckt werden können, kann eine operative Therapie weiterhelfen. Meist hilft ein kleiner Eingriff, der ambulant durchgeführt werden kann: Man durchtrennt das horizontal verlaufende Ringband, das gerade an den Fingergelenken für die angeschwollene Sehne oft ein unüberwindliches Hindernis ist. Dadurch wird das blockierende Hindernis der verdickten Sehne dauerhaft beseitigt.

Weil die Reibung der Beugesehnen an den Ringbändern die Entzündung aufrechterhält, können die Beugesehnen nach Spaltung der Ringbänder abschwellen. Die Beweglichkeit der Finger wird durch die Ringbandspaltung also dauerhaft und mit großer Sicherheit wiederhergestellt.

Wie wirkt die Ringbandspaltung gegen den Schnappfinger?

Das Ringband ist Teil der Sehnenscheide. Mit Hilfe der starken Ringbänder werden die Fingersehnen auch bei hoher Kraftwirkung dazu gebracht, an den Gelenken entlang zu verlaufen.

Bei der Spaltung des Ringbandes durch einen Schnitt im Ringband A1 direkt über der Fingersehne weichen die Enden des Ringbandes um einige Millimeter auseinander und schaffen der Sehnenscheide mehr Platz. Die Blockade der Beugesehne durch Knötchen und durch eingeengte Sehnenscheiden wird dadurch aufgehoben.

Durch die operative Spaltung verliert das Ringband aber nicht seine Funktion: Innerhalb weniger Wochen heilt das gespaltene Ringband wieder zusammen, ist aber an der Stelle der Sehnenscheide um entscheidende Millimeter geweitet. Der Druck auf die Sehnenscheide ist so reduziert, die Sehnenscheide kann abschwellen. Ein Blockade der Fingersehnen an den Ringbändern ist so dauerhaft nicht mehr möglich. Die Prognose der Ringbandspaltung bei Springfinger ist also sehr gut.

Nachbehandlung, Prognose und Dauer bis zur Arbeits- und Sportfähigkeit

Nach der Ringbandspaltung ist eine etwa zweiwöchige Entlastungsphase mit gezielter Physiotherapie erforderlich. Durch die Ringbandspaltung gibt es keine Einschränkungen. Die Beweglichkeit und Kraft der Finger wird durch diese ambulante Operation wieder dauerhaft hergestellt.