Botox: Anwendung, Wirkung und Nebenwirkung

  • Was ist Botox (Botulinumtoxin) und wofür wird es eingesetzt?
  • Faltenbehandlung mit Botox
  • Botox bei übermäßigem Schwitzen
  • Behandlung von Migräne mittels Botox
  • Depression mit Botox behandeln
    • Botulinumtoxin (kurz Botox) ist ein natürlich vorkommender Stoff, der vom Bakterium Clostridium botulinum gebildet wird. Diese Bakterien vermehren sich vor allem bei Sauerstoffmangel. Da Botox die Acetylcholinrezeptoren blockiert und damit die Erregungsübertragung der Nervenzellen hemmt, zählt es zur Gruppe der Neurotoxine (Nervengifte). In der Medizin macht man sich diese Eigenschaft bereits seit Jahrzehnten zunutze. Bestimmte neurologische Erkrankungen wie Dystonien (Bewegungsstörungen) oder Spastiken können mittels Botox-Injektionen behandelt werden.

      Was ist Botox (Botulinumtoxin) und wofür wird es eingesetzt?

      Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das in der kosmetischen Medizin und bei bestimmten Erkrankungen (z. B. Depression, Migräne) zum Einsatz kommt.

      Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das in der kosmetischen Medizin und bei bestimmten Erkrankungen (z. B. Depression, Migräne) zum Einsatz kommt. © hedgehog94, Fotolia

      Als Stoffwechselprodukt bestimmter Bakterienstämme (Clostridium botulinum) zählt Botulinumtoxin zu den Neurotoxinen. Es hemmt die Signalübertragung von den Synapsen der Nervenzellen auf die Muskelzellen. Indem es die Rezeptoren des erregungsübertragenden Neurotransmitters Acetylcholin blockiert, verhindert es die Weiterleitung des ankommenden Signals. Auf diese Weise bleibt die Kontraktion der nachgeschalteten Muskelfaser aus und es kommt zur Lähmung. Botox unterbindet also die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskulatur und reduziert auf diese Weise den Muskeltonus im injizierten Bereich.

      Heutzutage wird Botulinumtoxin in geringen Dosen zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Neben der Behandlung von Bewegungsstörungen, Depressionen oder chronischer Migräne kommt Botox auch in der kosmetischen Medizin zum Einsatz. Vor allem bei der Behandlung von Falten hat der Wirkstoff sich bewährt. Indem es die Muskelkontraktion verhindert, wirkt Botox der Entstehung von Mimikfalten (z. B. im Bereich der Stirn) entgegen. Aber auch bei Hyperhidrose (übermäßigem Schwitzen) kann Botox Abhilfe schaffen. Da der Wirkstoff nach einiger Zeit vom Körper abgebaut wird, sind zur Erzielung eines dauerhaften Effektes wiederholte Anwendungen notwendig.

      Faltenbehandlung mit Botox

      Faltenbehandlung mittels Botulinumtoxin

      Lokale Botox-Injektionen entspannen bestimmte Gesichtsmuskeln und führen so zur Faltenreduzierung. © timonina, Fotolia

      Das wohl sichtbarste Zeichen der Hautalterung sind unschöne Falten im Gesicht. Denkfalten, Lachfalten oder Falten im Mundbereich – sie alle sind Ausdruck der nachlassenden Elastizität unserer Haut und des Bindegewebes. Sie lassen uns häufig älter aussehen als wir uns fühlen. Bei einigen sind Falten mehr, bei anderen weniger ausgeprägt. Feuchtigkeitsspendende Cremes können die Entstehung von Falten zwar in geringem Maße herauszögern, aber niemals gänzlich stoppen.

      Ursachen von Falten

      Falten sind ein natürlicher Teil des Alterungsprozesses. Vor allem im mittleren Alter, etwa zwischen 40 und 50 Jahren, nimmt die Faltenbildung zu. Die horizontalen Stirnfalten treten sogar schon früher auf und sind mit der Zeit auch bei entspannter Gesichtsmuskulatur dauerhaft sichtbar. Ein Grund dafür ist neben einer allmählichen Erschlaffung des Bindegewebes auch die individuelle Mimik. Emotionen wie Freude, Trauer oder Zorn spiegeln sich in unserem Gesicht wider und es entstehen Mimikfalten, die unseren individuellen Gesichtsausdruck mitbestimmen. Meist sind es unbewusste Gesichtsausdrücke wie Stirnrunzeln oder das Rümpfen der Nase, die unsere Gesichtsmuskeln aktivieren und Falten verursachen. Weiterhin wird die Faltenbildung in erheblichem Maße vom persönlichen Lebensstil beeinflusst. Beispielsweise führt Rauchen zu einer schlechteren Durchblutung der Haut, was den Alterungsprozess beschleunigt. Auch übermäßiges Sonnenbaden, Alkohol- und Zuckerkonsum sowie Flüssigkeitsmangel begünstigen die Bildung unschöner Gesichtsfalten. Zudem neigen Bauch- und Seitenschläfer eher zur Faltenbildung als Rückenschläfer. Grund dafür ist, dass der Druck des Kissens zur Erschlaffung der Kollagenfasern in der Gesichtshaut führt.

      Wie wirkt Botox bei der Faltenbehandlung?

      Botox kann vor allem die Entstehung von Mimikfalten hinauszögern. Indem das Nervengift die Erregungsübertragung zwischen Nerven und Muskeln hemmt, entspannt die lokale Injektion von Botulinumtoxin stark beanspruchte Gesichtsmuskeln. Die fehlende Muskelaktivität führt dazu, dass die Falten an Tiefe verlieren und die Haut glatter wird. Die Substanz wirkt damit nicht nur therapeutisch, sondern auch vorbeugend. Auf andere Nervenfunktionen hat Botox keinen Einfluss.

      Wie wird Botox zur Faltenbehandlung angewendet?

      Zur Faltenbehandlung injiziert der Arzt das Botulinumtoxin im Abstand von wenigen Millimetern in das gewünschte Hautareal. Der betroffene Gesichtsmuskel entspannt sich und kleine Fältchen gehen sichtbar zurück. In den ersten Tagen nach der Injektion können Schwellungen oder leichte Rötungen auftreten. Kühlung und Kompression schaffen Abhilfe. Ansonsten ist das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen bei Behandlung durch einen erfahrenen Facharzt sehr gering.

      Eine Anwendung dauert etwa 15 bis 30 Minuten und ist sehr schmerzarm. Auf persönlichen Wunsch kann eine betäubende Salbe auf die Haut aufgetragen werden. Das Ergebnis der Behandlung ist nach etwa 1 bis 3 Tagen sichtbar und erreicht seinen Höhepunkt nach etwa 1 bis 2 Wochen. Es hält ca. 3 bis 9 Monate an. Dann muss die Anwendung wiederholt werden.

      Anwendungsgebiete der Botox-Injektion sind vor allem:

      • Stirnfalten (Sorgenfalten)
      • Lachfalten um die Augen
      • Zornesfalten zwischen den Augenbrauen
      • Längsfalten am Hals
      • Mund- und Kinnfalten

      Kosten der Faltenbehandlung mittels Botox

      Die Höhe des Behandlungshonorars hängt vor allem von der erforderlichen Menge an Botulinumtoxin ab. Dementsprechend liegt der Preis für eine Faltenbehandlung mittels Botox meist zwischen 300 und 600 €.

      Botox bei übermäßigem Schwitzen

      Botox-Behandlung bei Hyperhidrose

      Zur Behandlung der Hyperhidrose (übermäßiges Schwitzen) wird Botox in die Haut der betroffenen Körperregion gespritzt. Pro Achselhöhle sind meist etwa 20 Injektionen notwendig. © Leonid, Fotolia

      Schwitzen ist eine natürliche Körperfunktion, um bei heißen Temperaturen oder bei körperlicher Anstrengung einer Überwärmung vorzubeugen. Über die Sekretion von Schweiß regulieren wir also unsere Körpertemperatur. Manche Menschen schwitzen allerdings weit über ein Normalmaß hinaus. Im medizinischen Sprachgebrauch spricht man auch von einer Hyperhidrose (griech. „hyper“ = mehr und „hidros“ = Schweiß). Schweißflecken unter den Achseln oder schwitzige Hände sind unschöne Effekte, die sich oft auch nicht mit starken Deodorants kaschieren lassen.

      Wie wirkt Botox bei Hyperhidrose (übermäßigem Schwitzen)?

      Dass Botox als Nerventoxin die Muskulatur lahmlegt, indem es die Übertragung von Erregungen zwischen Nerven und Muskeln hemmt, ist weitgehend bekannt. Ein weiterer medizinisch belegter Nebeneffekt von Botox-Injektionen ist, dass die Haut in der behandelten Körperregion meist auffällig trocken ist. Bei der Behandlung der Hyperhidrose macht man sich diesen Effekt zunutze. So hemmt Botulinumtoxin die Aktivierung der Schweißdrüsen, indem es die Signalübertragung des Transmitters Acetylcholin blockiert.

      Ablauf der Hyperhidrose-Therapie mittels Botox

      Für die Anwendung injiziert der Facharzt Botox direkt in die Haut der betroffenen Körperregion. Um Schmerzen vorzubeugen, wird die Hautoberfläche mit Eisspray oder einer speziellen Salbe betäubt. In der Achselhöhle benötigt man pro Anwendung oft etwa 20 Injektionen – jeweils eine pro Quadratzentimeter. Auch zur Schweißreduzierung an Handflächen und Fußsohlen kommt Botox erfolgreich zum Einsatz. Bei der Hand sind etwa 40 bis 50 Stiche in die Haut notwendig, sodass die Schweißdrüsen, aber nicht die Muskeln erfasst sind.

      Erfolge der Botox-Behandlung bei übermäßigem Schwitzen

      Nach etwa ein bis zwei Wochen nach der Behandlung stellen sich erste Effekte ein und das Schwitzen lässt spürbar nach. Bei über 90 % der Patienten reduziert sich die Schweißproduktion auf ein Normalmaß. Allerdings hält die Wirkung nicht dauerhaft an, da Botulinumtoxin mit der Zeit vom Körper abgebaut wird. Nach ca. einem halben Jahr muss die Behandlung wiederholt werden.

      Kosten der Botox-Injektionen bei Hyperhidrose

      Für eine Sitzung müssen Sie etwa mit 500 bis 800 € rechnen. Diese Kalkulation bezieht sich auf eine ca. einstündige Anwendung im Achselbereich.

      Behandlung von Migräne mittels Botox

      Frau mit Migräne

      Etwa 1 bis 2 % der Bevölkerung leiden an einer chronischen Migräne. Die heftigen Kopfschmerzattacken schränken die Betroffenen im Alltag stark ein. © Syda Productions, Fotolia

      Migräne ist eine Volkskrankheit. Etwa 10 % der Bevölkerung leiden an den Kopfschmerzattacken, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer (Obermann/Katsarava 2008). Bei etwa 1–2 % der Bevölkerung liegt eine chronische Migräne vor, die seit mindestens drei Monaten besteht und an mindestens 15 Tagen pro Monat auftritt. Durch heftige Attacken mit Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit erfahren Betroffene häufig starke Einschränkungen im Alltag und Beruf.

      Seit 2011 ist Botulinumtoxin A zur Behandlung chronischer Migräne zugelassen. Studien, in denen Botox nach einem festen Injektionsschema in die perikranielle Muskulatur (z. B. Nacken- und Stirnmuskulatur) gespritzt wurde, zeigen eine Wirksamkeit des Mittels im Vergleich zur Placebo-Gruppe (Ruscheweyh et al. 2018). Botulinumtoxin kommt dabei ausschließlich zur Vorbeugung chronischer Migräne zum Einsatz, nicht als Akutbehandlung.

      Wirkungsweise der Botox-Injektionen bei chronischer Migräne

      Migräne ist in vielen Fällen auf eine verkrampfte Muskulatur im Bereich des Kopfes und Nackens zurückzuführen. Als Nervengift blockiert Botox bestimmte Rezeptoren, die für die Weiterleitung der Nervenimpulse an die Muskeln verantwortlich sind. Dadurch sind die Rezeptoren für den Botenstoff Acetylcholin besetzt, sodass die lokale Muskelfunktion nicht aktiviert wird. Der Spannungskopfschmerz bleibt aus.

      Anwendung der Botox-Behandlung bei Migräne

      Im ersten Jahr der Behandlung erhält der Patient in der Regel alle drei Monate Botulinumtoxin-Injektionen an verschiedenen Stellen im Kopf- und Nackenbereich. Die Dosis wird abhängig vom Charakter der Migräne und nach dem Ermessen des behandelnden Arztes individuell optimal ausgewählt und angepasst. Bei erfolgreicher Behandlung können die Behandlungsintervalle ab dem zweiten Jahr meist auf vier Monate angehoben werden.
      Die Behandlung der Migräne mit Botulinumtoxin-Injektionen ist eine in vielen Fällen gut wirksame Ergänzung und manchmal auch gute Alternative zu den herkömmlichen Therapiemethoden mit Tabletten.

      Nebenwirkungen der Migräne-Behandlung mittels Botulinumtoxin

      Wie bei kosmetischen Behandlungen treten auch bei der Migränebehandlung mit Botulinumtoxin-Injektionen Komplikationen oder Nebenwirkungen extrem selten auf.
      In sehr seltenen Fällen kann es nach der Anwendung von Botox bei chronischer Migräne zu Nackenschmerzen oder einer Muskelschwäche im Bereich der Injektionsstelle kommen. Extrem selten tritt eine Gesichtslähmung oder eine Lidschwäche auf, die für bis zu sechs Wochen bestehen kann.

      Depression mit Botox behandeln

      Frau mit Depression

      Botox kann die Symptome einer Depression deutlich abschwächen. © StockPhotoPro, Fotolia

      Neben dem bekannten kosmetischen Effekt lassen sich mittlerweile eine ganze Reihe von Erkrankungen durch Botox behandeln. Dazu zählt auch die Depression. Auch wenn die Botox-Behandlung für Depressionen offiziell noch nicht zugelassen ist, konnten mehrere Studien zeigen, dass Injektionen in den Bereich zwischen den Augenbrauen (Glabellaregion) gute Ergebnisse bei der Behandlung einiger Arten von Depressionen erzielten (u. a. Zamanian et al. 2017). Bei vielen Betroffenen führt die Botox-Behandlung zu einer deutlichen Abschwächung der Symptome.

      Wie wirkt Botox gegen Depressionen?

      Viele Menschen mit Depressionen sprechen nicht mehr auf herkömmliche Behandlungsmethoden mittels Psychopharmaka oder Psychotherapie an. Botox bietet für diese Fälle einen neuen Therapieansatz.

      Die Lähmung bestimmter Bereiche der Gesichtsmuskulatur soll laut Forschern einen positiven Effekt auf die Stimmung haben. Der Gesichtsausdruck entspannt sich durch die Botox-Injektion, wodurch negative Stimmungen verschwinden können. Dieser Effekt wird durch die sogenannte Facial-Feedback-Hypothese erklärt. Demnach besteht eine Wechselwirkung zwischen Mimik und Stimmung. Wenn wir traurig oder verärgert sind, ziehen wir unbewusst unsere Augenbrauen zusammen. Die Nervenzellen in dieser Region zwischen den Augenbrauen signalisieren dem Gehirn, dass eine negative Stimmung vorliegt. Dies manifestiert sich häufig im Entstehen einer Zornesfalte. Die Lähmung dieses Bereiches hindert die Muskulatur am Zusammenziehen und führt so insgesamt zu einer Aufhellung des Gemütszustandes.

      Zudem senkt Botox die Aktivität der Amygdala, einer Hirnregion, die unter anderem für die Verarbeitung negativer Emotionen zuständig ist.
      Die Behandlung wirkt allerdings nicht dauerhaft, sondern muss alle 4 bis 6 Monate wiederholt werden.

      Welche Nebenwirkungen bei der Botox-Behandlung gegen Depressionen können auftreten?

      Da Botox bei Depressionen nur in sehr geringen Dosierungen verabreicht wird, gilt die Behandlung als gut verträglich und im Vergleich zu Psychopharmaka als sehr nebenwirkungsarm. Komplikationen wie vorübergehende Muskelschwächen mit herabhängendem Augenlid entstehen vor allem dann, wenn das Mittel in den falschen Muskel injiziert wird. Eine genaue Kenntnis der anatomischen Strukturen und eine Ultraschall-Kontrolle können dieses Risiko minimieren.

      Beachten Sie, dass die Botox-Behandlung sich nicht als alleinige Therapie einer Depression eignet. Da die Erkrankung sehr komplex und noch nicht abschließend erforscht ist, sollten Sie immer Rücksprache mit Ihrem behandelnden Neurologen / Psychiater halten.

      Literatur:

      • Becker-Wegerich, P. (2008). Faltenbehandlung mit Botulinumtoxin A und besondere Indikationen. In Hautalterung, 75–100.
      • Fritz, K., Fackel, N. (2003). Botulinumtoxin in der Behandlung mimischer Falten. In: Akt Dermatol 29, 33–42.
      • Obermann, M., Katsarava, Z. (2008). Epidemiology of unilateral headaches. In: Expert Rev Neurother. 8(9), 1313–1320.
      • Ruscheweyh, R., Förderreuther, S., Gaul, C., Gendolla, A., Holle-Lee, D., Jürgens, T., … & Straube, A. (2018). Therapie der chronischen Migräne mit Botulinumneurotoxin A. Der Nervenarzt 89(12), 1355–1364.
      • Zamanian, A., Jolfaei, A. G., Mehran, G., & Azizian, Z. (2017). Efficacy of botox versus placebo for treatment of patients with major depression. Iranian journal of public health, 46(7), 982.